Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

Lucie strikt mit ihrer Nachbarin an einem Fortsetzungsroman


Lucie ist für die 'ungeraden' Kapitel, die Nachbarin für die 'geraden' Kapitel zuständig. Der Reiz dabei sei, nicht zu wissen, wie die jeweils Andere auf das zuletzt geschriebene Kapitel eingehen und Stoff bieten wird, auf den man sich dann später wieder einlassen muss ....

Wir werden im Abstand von mehreren Tagen immer wieder zwei Kapitel veröffentlichen und somit den Schreib-Prozess verfolgen.

3. Kapitel

Luise war sehr verwirrt von der Begegnung mit ihrem Schwiegervater. Sie vermutete eine schlimme Nachricht, die ihm nicht über die Lippen kam. Da gab es für sie nur eine Richtung, die ihre Gedanken einschlugen. Ihre eigenen Eltern waren während ihres Studiums damals durch eine Lawine umgekommen. Ihr Ehemann mit einem kleinen Flugzeug abgestürzt. Das reicht ja wohl. Nun bleibt nur noch, dass ein ihr sehr nahestehender Mensch lebensbedrohlich erkrankt ist oder sich in einer aussichtlosen Situation befindet.

Als Thomas mit dem Flugzeug abstürzte, wurde sie von den nun kinderlosen Schwiegereltern adoptiert, um sicher zu stellen, dass ihr Vermögen nicht in falsche Hände fiel. Außerdem wurde sie so liebevoll behandelt als wäre sie die leibliche Tochter. Der Situation geschuldet, wollte es der Zufall, dass Lena im Haus der Großeltern geboren wurde.

Durch die Zeit der sehr frühen Witwenschaft, galt für sie das Prinzip: es gibt keine Probleme, nur Lösungen. Leider sind die Lösungen manchmal weit weg und nicht sofort erkennbar. Sie war schon immer Lösungsorientiert und versuchte systematisch, das fragliche Problem einzukreisen und zu ermitteln. Zuerst telefonierte sie mit ihrer Tochter Lena, um zu erfahren, dass sie mitten in einer wissenschaftlichen Arbeit steckte und nicht wusste, was sie zuerst machen sollte. Von unerwarteter Seite wurde ihre Energie fast unerschöpflich. Sie war frisch verliebt und bekam dadurch Unterstützung von völlig unerwarteter Seite.

Also, vom 5. Kontinent konnte kein Ungemach drohen. Somit waren wohl ihre Schwiegereltern betroffen. Doch ging es ihnen gestern noch gut. Sie war am Vortag am Abend bei ihnen zum Essen nach ihrer Rückkehr aus der Karibik.

Luisa schwang sich auf die Beine, um sich etwas anderes anzuziehen, um gleich danach zu ihren Eltern zu fahren und rauszubekommen, weshalb ihr Vater so verzweifelt um Worte rang. Egal was oder wo der Grund sitzt, sie will ihn nicht nur wissen, sondern auch versuchen, Abhilfe zu schaffen, um es händeln zu können. In ihrem schlichten geblümten Sommerkleid und den passenden Schuhen nebst Handtasche stieg sie in ihr kleines Auto, um zu ihrem Elternhaus zu fahren. Um ihren kleinen Hunger nicht groß werden zu lassen, biß sie beim Fahren nebenbei beherzt in einen knallroten Apfel. Es war recht warm und sie hatte zwei Möglichkeiten zu fahren. Der kürzere Weg würde sie über die Autobahn führen. Da müsste sie aber durch eine langweilige Landschaft und wäre der immer wärmer werdenden Sonne ausgesetzt. Luise entschied sich für den schöneren Weg über die Dörfer, durch die Alleen mit der sehenswerteren Umgebung. Diese Strecke ist auch nur 10‘ länger als durch das Industriegebiet über die Autobahn. Sie würde die Fahrt auch dazu nutzen, um sich selber durch die Wirkung dieses ansehnlichen Landstriches zu beruhigen. Ein ungutes Gefühl stieg immer größer werdend in ihr auf und sie hörte auf der Fahrt beruhigende Musik im Auto. Den Apfel aß sie auf, bis sie zuletzt nur noch den kleinen Stängel in der Hand hielt. Ohne es zu bemerken, kaute sie auch das Kerngehäuse mit weg. Sie war gerade auf dem letzten Abschnitt der Landstraße, bevor sie die Ortschaft ihres Elternhauses erreichte, als für diese Tageszeit völlig untypisch ein Reh über die Straße huschte. Um es nicht zu töten, wich sie aus, kam von der Straße ab und landete frontal an einem dicken Alleebaum. Ein nachfolgender Fahrer leistete erste Hilfe und rief einen Krankenwagen für die bewusstlose schöne Frau.

Erst im Krankenhaus erlangte sie wieder ihr Bewusstsein und musste erst mal ihre Gedanken ordnen und versuchte zu rekonstruieren was ihr wiederfahren ist.

Kapitel 3a

Der Fahrer, der nach dem Unfall erste Hilfe leistete, war der Mann, welcher sie noch am Vormittag nach dem Weg zur Botschaft befragt hatte. Er blieb bei Luise, bis der Krankenwagen eintraf und die Profis sich dann um sie kümmerten. Um den Sanitätern zu helfen, barg er aus dem Auto am Baum Luises Handtasche. So erfuhr er ihren Namen und später auch das Krankenhaus, in das sie gebracht werden sollte.

Am Abend des Unfalls begann sich der Schock, den er bei dem Unfall erlitten hatte, aufzulösen. Sein Unterbewusstsein schaufelte sich langsam an die Oberfläche. Ständig hatte er ihr Gesicht vor seinem inneren Auge. Wie nach einem Paukenschlag, erinnerte er sich, woher er dieses Gesicht kannte. Daraufhin beschloss er, sie im Krankenhaus zu besuchen, um mit ihr zu sprechen. Ein eigenartiges Gefühl überkam ihn, als er auf der Station wieder nach Hause geschickt wurde, mit der Bemerkung, dass Frau Albrecht noch keinen Besuch empfangen darf, um Ruhe zu haben. Als kein direkter Angehöriger wurde ihm auch keine weitere Auskunft gegeben. Da entflammte plötzlich sein Interesse an Luise.

Sie hatte nur eine nebulöse Ahnung, was in den letzten Tagen geschehen war. Davon waren 70% aus reinem Phantasieschaum. Ihr Gehirn bastelte sich eine Vergangenheit zurecht, mit der sie leben konnte. Rund um den Unfall wurde sie von einer partiellen, temporären Amnesie befallen. Es würde noch eine Weile dauern, bis sich alle wahren Schnipsel der vergangenen Tage wieder einfinden und sie die Teile zu einem erkennbaren Mosaikbild zusammenfügen konnte.

 

Kapitel 4

Gesundheitlich ging es Harald schon lange nicht mehr gut. Der Blutdruck machte ihm zu schaffen. Er zerrte an seiner Krawatte und nestelte an dem oberen Knopf seines Businesshemdes und versuchte der entstehenden Atemnot entgegenzuwirken. Während er gedankenverloren durch das kleine Waldstück raste, immer nur den einen großen Gedanken im Kopf, bemerkte er links im Graben ein Auto. War das nicht Luise’s Cabrio? Das Blaulicht des herannahenden Rettungswagen und die Sirene des Martinhorns brachten seine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße, jedoch zu spät, er verriss das Lenkrad und raste ungebremst gegen die Leitplanke, überschlug sich zwei Mal und blieb auf der Fahrerseite mitten auf der Landstraße liegen.

Nun überschlugen sich die Ereignisse, während die Erstversorger die Insassin des Cabrios bereits versorgt hatten und abfahrbereit zum naheliegenden Krankenhauses waren, eilte ein Teil des Rettungsdienstes auf die andere Straßenseite und kümmerten sich um den Fahrer der verunglückten Limousine. Die Bergung gestaltete sich dramatisch, es mussten weitere Rettungskräfte angefordert werden, durch das austretende Öl und Benzin drohte der Wagen zu explodieren. Es war Eile geboten und schweres Gerät zur Bergung nötig. Die Sekunden und Minuten vergingen viel zu schnell, es bestand immer noch Hoffnung, Haralds Leben zu retten.

Viele Kräfte waren nun vor Ort und die große Katastrophe einer Explosion blieb aus. Allerdings zeichnete sich jetzt schon ab, dass Harald’s Wirbelsäule durch den Aufprall stark beschädigt wurde.

Jede Minute zählte. Die Rettungskräfte gaben alles. Ein Hubschrauber wurde geordert und brachte Harald sicher gelagert in eine Spezialklinik für Patienten mit Rückenmarksverletzungen.

Es war schon spät am Abend, als das Operationsteam nach stundenlanger Operation zwar das Leben von Harald aber leider nicht seine Beweglichkeit retten konnte. Ab dem Halswirbel abwärts würde es in seinem Körper keinerlei Empfindung mehr geben.

Während die Rettungskräfte um Haralds Leben kämpften, durchsuchten Mitarbeiter des Finanzamtes Dithmarschen das Architekturbüro Albrecht.

... Fortsetzung folgt. 

Nach oben

Kontakt

Theater der Erfahrungen - Werkstatt der alten TalenteVorarlberger Damm 112157 BerlinStandort / BVG Fahrinfo
Theater der Erfahrungen - Werkstatt der alten TalenteVorarlberger Damm 112157 Berlin
030 8 55 42 06Fax 030 8 55 43 78E-Mail senden
LeitungEva Bittner, Prof. Johanna Kaiser

Förderung

Die Werkstatt der alten Talente in der Trägerschaft des Nachbarschaftsheims e.V. wird seit 2008 unterstützt durch die Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales sowie den Europäischen Sozialfonds (ESF), weiterhin gefördert vom Deutschem Paritätischen Wohlfahrtsverband und der Alice Salomon Hochschule Berlin.

Eine projektbezogene Förderung erfolgt vonseiten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Förderverein

Der Förderverein des
THEATERS DER ERFAHRUNGEN e. V.
ist gemeinnützig und unterstützt die Arbeit des Theaters ideell und materiell.

Mehr dazu