Zur Orientierung für Menschen mit Behinderungen

10 Jahre Meisterschule

Theater der Erfahrungen macht (Hoch)schule - Alice Salomon Hochschule macht Erfahrungen

‚Angewandte Lehre’ im Kontext des demografischen Wandels

aus 'Alte sind überall!' 2010
aus 'Alte sind überall!' 2010
aus 'Alte sind überall!' 2010

Fotos mit alten Menschen kleben auf dem Fußboden in der Eingangshalle der Alice Salomon Hochschule (ASH Berlin), sind versteckt an der Decke angebracht oder hängen stilsicher an der Wand an allen möglichen und unmöglichen Orten. Die darauf abgebildeten Menschen sind entweder in Aktion auf der Bühne als Rockerin verkleidet oder im Tierkostüm zu sehen. Manche wurden auch schlicht  mit Studierenden im Gespräch vertieft von der Kamera eingefangen.

All das gibt Momentaufnahmen aus Projekten wieder, die im Rahmen der Zusammenarbeit des Theaters der Erfahrungen und der ASH Berlin entstanden sind. Das Theater der Erfahrungen spielt seit 1980 mit Berliner Senior*innen Stücke, die aus ihren ganz persönlichen Erfahrungsschatz entstanden sind und ihr alltägliches Leben und ihre politischen Forderungen widerspiegeln. Nicht nur mit der Ausstellung ‚Alte sind überall‘ (2010) wurden die Spieler*innen des Theaters damit an der Hochschule sichtbar, sie sind mittlerweile seit 10 Jahren live dabei.

Wie kam es dazu?

Wie alles anfing

Das Feld der Sozialen Kulturarbeit, von Professor Gerd Koch an der ASH Berlin maßgeblich begründet, bekam im Wintersemester 2008 / 2009 mit der Berufung von Johanna Kaiser als seine Nachfolgerin einen neuen Schwerpunkt: Kulturarbeit mit alten Menschen. Als Mitbegründerin und – neben Eva Bittner – Leiterin des Theaters der Erfahrungen, eines der ältesten Altentheaters Europas, verfolgte sie unter dem Namen ‚Meisterschule‘ die Idee, einen Transfer zwischen Studierenden und Älteren im Rahmen der Kulturarbeit zu realisieren. Damit stieß sie auf neugieriges Interesse verschiedener Kolleg*innen, nicht nur im Studiengang der Sozialen Arbeit, sondern auch im Studiengang Erziehung und Bildung im Kindesalter sowie dem Masterstudiengang Praxisforschung in Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik und dem Studiengang Gesundheit und Pflegemanagment.

Raus aus der Hochschule

aus 'Lieder, die schockieren, verführen, irritieren ...' 2008
aus 'Buen Vivir' 2013
aus 'Reisende Raupe' 2013

Die interdisziplinären Lehrformate des Bereichs Sozialer Kulturarbeit ermöglichten die Beteiligung der alten Spieler*innen an sehr vielfältigen Projekten: sie wirkten bei musikalisch-szenischen Produktionen mit (Josties/Kaiser 2008, 2010), entwickelten mit Gästen aus Ecuador eine Inszenierung zum Thema Nachhaltigkeit (Hemberger/Kaiser 2013) oder spielten mit Studierenden des Studienganges Erziehung und Bildung im Kindesalter Theater mit Kitakindern (Kaiser 2011, 2014, Kaiser/Karcı 2010 u.v.m.). Die Spieler*innen vermittelten in Seminaren ihre Wahrnehmung von Partizipation alter Menschen in der Sozialen Kulturarbeit (Kaiser/Piechotta 2016) oder stellten sich für Interviews im Rahmen der Praxisforschungswerkstatt des Masterstudienganges zur Verfügung (Hemberger/Kaiser 2017). Raus aus der Hochschule kamen die Studierenden für Seminare mit Kindern und Älteren in unterschiedlichen Stadtteilzentren und den intergenerativen Kreativtagen des Theaters der Erfahrungen an verschiedenen Orten Berlins.

Rauf auf die Bühne

Die Idee, Studierenden die interkulturelle und intergenerative Praxis der Alten-Kulturarbeit in sozialen Feldern näher zu bringen, wurde bald zu einer wechselseitigen Bereicherung, in denen sowohl die Senior*innen Einfluss auf aktuelle Lehrinhalte nahmen, als auch die Studierenden sich in Theaterstücke der Spieler*innen einbrachten. Gearbeitet wird dabei sehr vielfältig: Mal entscheiden sich die Studierenden für ein bestimmtes Thema und die Spieler*innen des Theaters werden ab einem gewissen Punkt in die Seminare eingebunden, mal entwickelt das Theater der Erfahrungen ein Konzept, das die Partizipation von Studierenden vorsieht und teilweise lassen sich die Beteiligten beim Theaterspielen einfach von ihren Erfahrungen leiten und finden ihre ganz eigenen Wege. Auch thematische Schnittstellen, wie beispielsweise über Zwangsarbeit damals und Arbeit in Zwangssituationen heute (‚Außen vor und mittendrin‘, Kaiser 2013) wurden für diese intergenerative Arbeit in einer speziellen Perspektivvielfalt genutzt. So entstanden eine Reihe von erstaunlichen Projekten, ungewöhnliche Lehrformate und spannende Aufführungen.

aus 'Außen vor und mittendrin‘ 2013

Rein in die Forschung

aus 'Theater ist meine Heimat' 2016
aus 'Theater ist meine Heimat' 2016

Eine Weiterentwicklung erlebte die Kooperation im Kontext der ästhetischen Forschung. Es entstanden insbesondere  filmische Erforschungen, die ästhetische und nonverbale Prozesse im Spiel sichtbar werden ließen. Hier sei der Film ‚Theater ist meine Heimat‘ zu erwähnen, der im Oktober 2016 Premiere vor einem internationalen Publikum in der Urania hatte und seitdem als Beitrag interkultureller Theaterformen u.a. in England und Belgien gezeigt wurde. Studierende konnten sowohl diese Forschungen zu dem Film verfolgen als auch selbst Proben zu unterschiedlichen Theaterstücken filmen. Als Teil einer Rezeptionsforschung  interviewten sie im Rahmen des Masterstudienganges Praxisforschung u.a. Kinder in Kitas nach intergenerativen Aufführungen des Theaters der Erfahrungen und glichen diese mit den Absichten der Akteur*innen ab. Auch in die Realisierung von Tagungen des Theaters sind sie involviert (Kaiser/Karcı 2018) und haben hier die Chance, den Diskurs von Kulturarbeit im gesellschaftlichen Wandel zu analysieren.

Rück- und Ausblick

Dass diese lebendige Kooperation unter dem Namen 'Meisterschule‘, der gegenseitige Transfer von Theorie und Praxis, nicht ohne Stolpersteine und Hürden gemeistert werden konnte, ist klar. Organisationsformen einer Hochschule und Probenzeiten eines Theaters, das Zeitverständnis von Studierenden und die Vorstellung von Verbindlichkeit der Älteren sind nur wenige Aspekte, die zeigen,  an welchen Stellen sich einiges zu Recht rütteln musste. Doch die Anziehungskraft ungewöhnlicher Lern- und Begegnungsräume wirkte und wirkt nachhaltig.

Das ist ein Grund zum Feiern, zum Danke sagen an alle Beteiligten, ein Grund für einen Rückblick und einen Ausblick. Am 17. Januar 2019 laden wir zu Tango & Techno - 10 Jahre Meisterschule - nachmittags ins Audimax der ASH Berlin.

 

 

Nach oben

Kontakt

Theater der Erfahrungen - Werkstatt der alten Talente
Vorarlberger Damm 1
12157 Berlin
Standort / BVG Fahrinfo

Tel 030 / 8 55 42 06
Fax 030 / 8 55 43 78
E-Mail senden

Leitung
Eva Bittner, Prof. Johanna Kaiser

Förderverein

Der Förderverein des
THEATERS DER ERFAHRUNGEN
ist gemeinnützig und unterstützt die Arbeit des Theaters ideell und materiell.

Mehr dazu